Wellness mit Fischen – Fischtherapie und Spa zugleich
Garra rufa: der Trend im Wellnessbereich
Nachdem die Medizin den Garra rufa – auch als Knabber- oder Doktorfisch bekannt – schon länger nutzt, hat inzwischen auch die Wellness- und Beautybranche das Potenzial der kleinen Fische entdeckt. Man spricht hier von Ichthyotherapie, Kangaltherapie oder Knabberfischtherapie.
Der Fisch macht dabei nichts Ungewöhnliches, sondern folgt einfach seinem natürlichen Fressverhalten: In den nährstoffarmen, warmen Gewässern im Süden der Türkei fehlt ihm sein eigentliches Futter, weshalb er sich seit Jahrhunderten auf abgestorbene Hautschuppen spezialisiert hat – daher stammt vermutlich auch sein Name, benannt nach der Region Kangal. Genau genommen “knabbert” der Fisch dabei nicht im eigentlichen Sinn, sondern stupst betroffene Hautstellen an und nimmt die sich lösenden Hautschuppen als Nahrung auf. Es handelt sich also eher um ein sanftes Peeling als um ein Anknabbern. Durch die Bewegung im Wasser wird zusätzlich die Durchblutung angeregt, ohne dass dabei offene Wunden entstehen oder gesunde Haut geschädigt wird.
Ein Wort noch zu einem Gerücht, das sich hartnäckig hält: Angeblich sondern die Fische beim Knabbern den Stoff Dithranol ab. Den Stoff gibt es tatsächlich – nur eben aus dem Labor, als verschreibungspflichtiges Mittel gegen Psoriasis, nicht aus einer Fischdrüse. Woher das Gerücht stammt, ist unklar; belegen lässt es sich jedenfalls nicht.
Was die Forschung zeigt
Viele Mediziner:innen und Heilpraktiker:innen setzen den Fisch bei Neurodermitis, Akne, Ekzemen, Warzen, Psoriasis und Hautpilz ein. Am besten belegt ist die Wirkung bei Psoriasis: Grassberger und Hoch untersuchten 2006 an der Medizinischen Universität Wien die Kombination aus Ichthyotherapie und kurzer UVA-Bestrahlung bei 67 Patient:innen und kamen zu einem positiven Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil. Bereits 2000 hatten Özçelik und Kollegen bei Patient:innen im türkischen Kangal-Thermalbad eine deutliche Verbesserung nach wenigen Tagen dokumentiert. Für die übrigen Anwendungsgebiete stützt sich die positive Einschätzung eher auf Erfahrungsberichte als auf kontrollierte Studien.
Anwendung bei Hautproblemen an den Füßen
Besonders beliebt ist die Anwendung an den Füßen, die durch Schuhwerk, Belastung und Schwitzen häufig zu trockener, schuppiger Haut oder Fußpilz neigen. Bei einer 15- bis 30-minütigen Anwendung tragen die Fische lose Hautschüppchen ab, während das warme Wasser die Durchblutung fördert – eine angenehme Ergänzung zur klassischen Fußpflege. Bei bestehendem Fußpilz sollte allerdings zunächst die medizinische Behandlung im Vordergrund stehen, da offene oder gereizte Hautstellen ein zusätzliches Infektionsrisiko bergen können.
Rechtliche Situation in Deutschland
Die gewerbliche Nutzung der Fische ist in Deutschland nicht bundeseinheitlich geregelt. Kritiker:innen führen vor allem Hygiene- und Tierschutzbedenken an – teils berechtigt, wenn Becken nicht sauber gehalten oder Fische zwischen mehreren Anlagen hin- und hergesetzt werden. Verantwortungsbewusste Betreiber begegnen dem mit regelmäßigen Wasserwechseln, sauberer Beckentechnik und artgerechter, ausreichender Fütterung der Tiere. Wer gewerblich mit Garra rufa arbeiten möchte, sollte vorab eine Sachkunde in Aquaristik erwerben und sich beim zuständigen Veterinäramt über die lokalen Vorgaben informieren.
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